Mercedes 190 SL
1900 ccm / 105 PS / Baujahr 1961
Ein kurzer Rückblick ins Jahr 1954: Elvis betrat die Weltbühne, Hemingway überlebte zwei Flugzeugabstürze binnen zweier Tage und Marylin Monroe stand in einem elfenbeinfarbenen Cocktail-Kleid über einem vitalen Lüftungsschacht.
In Deutschland hatte das Wirtschaftswunder die harten Kriegsjahre verdrängt. Mit neuem Selbstbewusstsein präsentierte Mercedes auf der New York Motor Show den 190 SL und einen gewissen 300 SL, mit dem er für alle Zukunft verglichen werden sollte.
Der elegant gezeichnete Zweisitzer markiert den Anfang der komfortbetonten SL-Reihe, welche Mercedes bis heue kultiviert. Vier Zylinder mit 105 Pferdestärken, dazu Pendelachsfahrwerk und Trommelbremsen: Der 190 SL wurde für mondänes Gleiten ausgelegt. Rasen war im fremd und der Rundkurs nie sein Revier, obwohl die Motorisierung ausreichte, um 98% der Verkehrsteilnehmer in den späten 50ern hinter sich zu lassen.
| Marke | Mercedes |
| Type | 190 SL |
| Baujahr | 1961 |
| Hubraum | 1900 ccm |
| Leistung | 105 PS |
| Besitzer | Familie Jenny |
Die Formen sind also wirtschaftswunderzeitlich barock. Frei nach dem Motto „Darf´s ein bisschen mehr sein?“ wurde die ein oder andere zusätzliche Welle ins fließende Blech gebügelt. Mit dem Chrom-Charme des goldenen Jahrzehnts fand sich der 190 SL in Filmen und Modejournalen. Gina Lollobrigida und Grace Kelly waren am Steuer zu sehen.
Die Bedeutung des Kürzels „SL“ ist nach wie vor umstritten und steht entweder für „Super leicht“ oder auch „Sport leicht“. Superleicht war auch eine gewisse Rosemarie Nitribitt, die in Frankfurt Mitte der 50er Jahre mit ihrem schwarzen 190 SL solvente Herren für besondere Stunden einfing und unter bis heute ungeklärten Umständen gewaltsam ablebte.
Die Preisliste für den begehrten Roadster startete bei stolzen 16.500 Mark, dem Vierfachen eines VW Käfers und immerhin Doppelten der Mercedes 180 Limousine. Bis zur Produktionseinstellung 1963 wurden fast 26.000 Einheiten verkauft.
Da ich zu Beginn der 50er das Licht der Welt erblickte, prägte der 190 SL als einer jener unerreichbaren Traumsportwagen meine Kindheit. Mitte der 80er waren das Haus gebaut, Familie und Söhne geschaffen und der Baum gepflanzt. Der 190 SL hatte die finanzielle Talsohle durchschritten und sollte nach dem Erwerb als Restaurierungsobjekt 10 Jahre in meiner Garage verbringen und bis auf die letzte Schraube zerlegt werden. Eine Restauration beginnt man im Unwissen über die zahllosen Tücken, die der 190 SL unter dem eleganten Blech bereithält. Und dann helfen für zahllose Stunden nur noch der Wille und das Bild vom Dahingleiten im Sonnenschein ...



